Ein neuer Humidor ist innen knochentrocken. Das Holz, meist spanische Zeder, hat bei der Herstellung und beim Lagern Feuchtigkeit verloren und holt sie sich zurück, wo es sie bekommt. Legst du deine Zigarren sofort hinein, zieht das Holz die Feuchte aus ihnen. Deshalb wird ein Humidor vor dem ersten Befüllen eingefahren: Das Holz nimmt langsam Feuchtigkeit auf, bis es sie hält, statt sie den Zigarren zu entziehen.
Wie man das genau macht, darüber sind sich selbst Humidor-Hersteller nicht ganz einig. Hier findest du die zwei bewährten Wege, die richtigen Werte und die Punkte, an denen die Meinungen auseinandergehen.
Bevor du loslegst: Hygrometer prüfen
Alles, was du beim Einfahren tust, liest du am Hygrometer ab. Zeigt es falsch an, fährst du blind. Gerade einfache analoge Hygrometer weichen oft ein paar Prozent ab. Prüfen kannst du das mit dem Salztest:
- Gib etwa einen Esslöffel Kochsalz in ein kleines Glas und träufle so viel Wasser dazu, dass das Salz feucht ist, sich aber nicht auflöst.
- Stell Glas und Hygrometer zusammen in eine dicht schließende Dose oder einen Gefrierbeutel. Beides darf sich nicht berühren.
- Warte mindestens acht Stunden bei gleichbleibender Zimmertemperatur.
- Jetzt sollte das Hygrometer etwa 75 % anzeigen. Analoge Geräte haben meist hinten eine kleine Stellschraube. Bei digitalen Geräten lässt sich die Anzeige oft nicht verstellen. Dann merkst du dir einfach die Abweichung.
Der Salztest ist ein guter Anhaltspunkt, aber kein Labor. Eine Abweichung von ein, zwei Prozent ist kein Grund zur Sorge.
Methode 1: Mit Wasserschalen
Das ist der klassische Weg, den zum Beispiel der Humidor-Hersteller Marc André empfiehlt. Du brauchst dafür nur ein paar kleine Schalen und Geduld.
- Stell den leeren Humidor an einen Platz ohne direkte Sonne und nicht neben die Heizung.
- Stell so viele kleine Schalen mit Wasser hinein, wie Platz haben, und schließ den Deckel.
- Lass den Humidor geschlossen stehen. Die Luftfeuchte steigt dabei auf etwa 80 bis 85 %, und das Holz saugt sich voll. Bei dünnwandigen Humidoren reichen zwei bis drei Tage, bei dickeren Zedernholz-Auskleidungen rechne mit fünf bis sechs Tagen.
- Nimm die Schalen heraus, schließ den Deckel und warte noch einen Tag. Die Feuchte pendelt sich dann bei etwa 75 bis 80 % ein.
- Setz jetzt den gefüllten Befeuchter ein und leg deine Zigarren hinein. Ziel für die Lagerung sind 65 bis 72 %.
Ein Tipp, den du oft liest: warmes Wasser in die Schalen, damit es schneller geht. Davon raten wir ab. Warme Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf, und wenn der Humidor wieder abkühlt, kann sich Wasser an den Wänden niederschlagen. Lieber ein, zwei Tage länger warten.
Methode 2: Mit Boveda 84 %
Bequemer geht es mit speziellen Einfahr-Packs von Boveda. Sie geben gleichmäßig Feuchtigkeit ab und können nicht überlaufen. Wie Boveda grundsätzlich funktioniert, erklären wir in unserem Beitrag Boveda im Humidor.
- Rechne mit einem großen Pack (60 g) pro 25 Zigarren, die dein Humidor fasst. Für einen Humidor mit 100 Zigarren also vier Packs.
- Leg die Packs mit 84 % in den leeren Humidor und schließ den Deckel.
- Lass ihn 14 Tage geschlossen, auch wenn das Hygrometer zwischendurch schon gute Werte zeigt.
- Danach kommen die 84er-Packs raus und in den Müll, sie sind nicht wiederverwendbar.
- Jetzt legst du deine Zigarren mit Packs für die Lagerung hinein, zum Beispiel 69 % oder 72 %.
Wichtig: Die 84 % sind nur für den leeren Humidor gedacht. Für Zigarren ist das auf Dauer viel zu feucht.
Humidor auswischen? Lieber nicht
In vielen Anleitungen liest du, man solle den Humidor vor dem Einfahren innen mit einem feuchten Tuch auswischen. Davon raten wir ab, genau wie der Humidor-Hersteller Marc André. Wasser stellt die Holzfasern auf: Nach dem Trocknen ist die Zedernholz-Auskleidung rau und müsste neu geschliffen werden. Die Feuchtigkeit kommt beim Einfahren ganz von allein ins Holz, über die Wasserschalen oder die Boveda-Packs.
Erst recht gehört keine Humidor-Flüssigkeit aufs Holz. Das darin enthaltene Propylenglykol hinterlässt einen öligen Film, und das Holz nimmt danach schlechter Feuchtigkeit auf. Humidor-Flüssigkeit ist nur für Schwammbefeuchter gedacht, die genau dafür gebaut sind.
Welches Wasser?
Für die Schalen beim Einfahren ist die Frage weniger wichtig, als oft behauptet wird. Marc André hält jedes geruchsneutrale Wasser für geeignet, andere Hersteller empfehlen grundsätzlich destilliertes Wasser. Mit destilliertem Wasser bist du auf der sicheren Seite.
Beim Befeuchter selbst sind sich dagegen alle einig: Nimm destilliertes oder demineralisiertes Wasser. Leitungswasser enthält Kalk und Mineralien, die Kristall- und Schwammbefeuchter mit der Zeit zusetzen.
Die richtigen Werte auf einen Blick
| Phase | Luftfeuchte | Dauer |
|---|---|---|
| Einfahren mit Wasserschalen | etwa 80–85 % | 2–6 Tage, je nach Holz |
| Einfahren mit Boveda | 84 % | 14 Tage |
| Lagerung der Zigarren | 65–72 % | dauerhaft |
| Hygrometer-Salztest | etwa 75 % | mindestens 8 Stunden |
Die Temperatur sollte möglichst gleichmäßig bei normaler Zimmertemperatur liegen, also grob zwischen 16 und 21 °C. Starke Schwankungen, direkte Sonne und die Nähe zur Heizung bringen jede Befeuchtung aus dem Takt.
Typische Fehler beim Einfahren
- Zigarren zu früh hineinlegen. Solange das Holz noch trocken ist, zieht es den Zigarren Feuchtigkeit ab.
- Den Humidor auswischen. Wasser auf dem Holz raut die Oberfläche auf, Humidor-Flüssigkeit hinterlässt einen öligen Film.
- Warmes Wasser verwenden. Spart kaum Zeit, kann aber Kondenswasser verursachen.
- Dem Hygrometer blind vertrauen. Ohne Salztest weißt du nicht, ob 70 % wirklich 70 % sind.
- Ungeduldig werden. Ein gut eingefahrener Humidor hält die Feuchte stabil, ein hastig eingefahrener fällt nach ein paar Tagen wieder ab.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, dass der Humidor fertig ist?
Wenn er mit eingesetztem Befeuchter über mehrere Tage stabil im Bereich von 65 bis 72 % bleibt. Fällt die Feuchte nach jedem Öffnen deutlich und dauerhaft ab, braucht das Holz noch etwas Zeit.
Wohin mit meinen Zigarren, während der Humidor einfährt?
In einen verschließbaren Gefrierbeutel oder eine Dose, am besten mit einem Boveda-Pack mit 69 %. So überstehen sie auch die zwei Wochen der Boveda-Methode problemlos.
Muss ich einen gebrauchten Humidor auch einfahren?
Wenn er lange leer stand und das Hygrometer deutlich unter 60 % zeigt, ja. Das Holz ist dann wieder ausgetrocknet und braucht dieselbe Vorbereitung wie ein neuer Humidor.
Wie oft muss ich danach nachfüllen?
Das hängt vom Befeuchter, der Größe des Humidors und davon ab, wie oft du ihn öffnest. Schau in den ersten Wochen regelmäßig aufs Hygrometer, dann bekommst du schnell ein Gefühl dafür.
Du hast noch Fragen?
Bei uns im Tabakfachgeschäft Em Tabaksdösje in Köln-Mülheim lagern unsere Zigarren selbst in einem begehbaren Humidor. Wenn du unsicher bist, welcher Humidor oder welche Befeuchtung zu dir passt, komm einfach vorbei. Die Beratung ist bei uns immer kostenlos.




